Merle Sieker: "(Hoch-)Begabung im naturwissenschaftlichen Sachunterricht"

Inklusion versucht, alle Dimensionen von Heterogenität in den Blick zu nehmen, wodurch nicht nur die bisher fokussierte Einbindung von Menschen mit Behinderung, sondern auch die Förderung von (Hoch-)Begabten im Unterricht miteingeschlossen wird. Orientiert wurde sich hier vor allem an mehrdimensionalen Modellen von Hochbegabung wie zum Beispiel dem Münchener Hochbegabungsmodell (Heller et al., 2005) oder dem Integrative Begabungs- & Lernprozessmodell (Fischer, 2015).

In diesen neueren Auffassungen von Begabung wird, entgegen dem vor allem in der Institution Schule häufig gebrauchten IQ-basierten Verständnis von Hochbegabung, Begabung als ein individuelles Fähigkeitenpotenzial verstanden, das sich aus verschiedenen Faktoren und Merkmalen zusammensetzt.
Lehrkräfte schätzen die Inklusion von hochbegabten Schülerinnen und Schülern (mit Verhaltensauffälligkeiten) positiv ein (Seifried, 2015) und sprechen dem Sachunterricht besonders gute Möglichkeiten zu, Begabungen zu erkennen und diese zu fördern (Hempel/Kohlscheen, 2011).
Trotz der besonderen Eignung, die dem Fach Sachunterricht für die Förderung von Hochbegabten zugesprochen wird, mangelt es an Konzepten zur Umsetzung von Inklusion in der Fachdidaktik. Schülerinnen und Schüler mit besonderen Begabungen werden nur wenig in den Blick genommen.
In einer qualitativen Studie wurden mit Hilfe von Experteninterviews Lehrerinnen und Lehrer befragt, die bereits Erfahrungen im Umgang mit hochbegabten Kindern in ihrem Sachunterricht gesammelt haben. Dabei lag der Fokus vor allem darauf, wie sich eine Begabung im Sachunterricht äußert und wie die Förderung von begabten Schülerinnen und Schülern im gemeinsamen Sachunterricht gelingen kann. Diese Interviews wurden im Anschluss mit der dokumentarischen Methode ausgewertet, um die den Handlungen der Lehrkräfte zugrundeliegenden Orientierungen im Hinblick auf Begabungen sichtbar zu machen.

Literatur:

Fischer, C. (2014). Individuelle Förderung als schulische Herausforderung. Berlin: Friedrich-Ebert-Stiftung.

Heller, K., Perleth, C. & Lim, T. K. (2005). The Munich Model of Giftedness designed to identify and promote gifted students. In R. Sternberg & J. Davidson (Eds.), Conceptions of giftedness (pp. 147-170). Cambridge: Cambridge University Press.

Hempel, M. & Kohlscheen, K. (2011). Interesse, (Hoch-)Begabung und Inklusion. In Giest, H., Kaiser, A. & Schomaker, C. (Hrsg.), Sachunterricht - auf dem Weg zur Inklusion.Bad Heilbrunn: Klinkhardt.

Seifried, S. (2015). Einstellungen von Lehrkräften zu Inklusion und deren Bedeutung für den schulischen Implementierungsprozess – Entwicklung, Validierung und strukturgleichungsanalytische Modellierung der Skala EFI-L. Unveröffentlichte Dissertation, Pädagogische Hochschule Heidelberg.

In Anlehnung daran bereits veröffentlichte Artikel:

Sieker, M. & Dunker, N. (2019). Experimentieren als Möglichkeit der Begabungsförderung im Sachunterricht. In Peschel, M., Carle, U. (Hrsg.). Praxis Sachunterricht. Schneider: Baltmannsweiler.

Sieker, M. & Dunker, N. (2021). Die Themenwahl als Indikator und Förderprinzip für begabte Schüler*innen im Sachunterricht. In: Kiso, C. J. & Fränkel, S. (Hrsg.). Inklusive Begabungsförderung in den Fachdidaktiken. Diskurse, Forschungslinien und Praxisbeispiele. Klinkhardt: Bad Heilbrunn.

 

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