Bildung für nachhaltige Entwicklung im Fachbereich Werken
Nachhaltigkeit, die man in die Hand nehmen kann.
Im Werken wird Nachhaltigkeit greifbar. Wer ein Material sortiert, zerkleinert, formt und daraus etwas Neues baut, sieht, woher Ressourcen kommen, was sie wert sind und wie lange sie im Kreislauf bleiben können. Diesen Zugang nutzen wir in Lehre und Projekten konsequent für Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE).
Auf dieser Seite stellen wir zwei Schwerpunkte vor: Konstruktionsprojekte mit Alt- und Restholz sowie die nachhaltige Verarbeitung von Kunststoffen.
Unsere Leitgedanken
Werken verbindet Denken und Handeln. Die Auseinandersetzung mit Material, Werkzeug und Gestaltung eignet sich deshalb besonders, um Gestaltungskompetenz im Sinne der BNE aufzubauen.
- Material bewusst wählen: Herkunft, Eigenschaften und Umweltwirkung von Werkstoffen verstehen, bevor sie verarbeitet werden.
- In Kreisläufen denken: Reste, Abfälle und Altmaterial als Ressource begreifen: sortieren, aufbereiten, wiederverwenden.
- Wert durch Handwerk: Wer selbst baut, repariert und gestaltet, schätzt Dinge anders ein und nutzt sie länger.
- Verantwortung übernehmen: Sicherheit, Gesundheit und Umweltfolgen beim Arbeiten mitdenken und kritisch abwägen.
Konstruktionsprojekte mit Alt- und Restholz
Statt neues Holz zu kaufen, arbeiten wir mit dem, was schon da ist: Verschnitt aus der Werkstatt, Restposten, gebrauchte Bretter und Rückbauholz. Aus der Einschränkung wird eine Konstruktionsaufgabe. Welche Maße gibt das Material her? Welche Verbindung trägt? Wie planen wir, damit möglichst wenig übrig bleibt?
- Materialerkundung: Holzarten bestimmen, Qualität prüfen, Nägel und Beschläge entfernen, Bestand erfassen.
- Konstruieren mit Vorgaben: Entwürfe entstehen aus dem vorhandenen Material heraus, nicht umgekehrt.
- Holzverbindungen: tragfähige, möglichst lösbare Verbindungen, damit Teile später wiederverwendet werden können.
- Reflexion: Ressourcenverbrauch, Lebensdauer und Wiederverwertbarkeit des fertigen Objekts bewerten.
Beispiele aus unseren Projekten: Uhr im Werkenraum (SR 3)
Nachhaltige Kunststoffverarbeitung
Kunststoffe sind leicht, günstig, beständig und vielseitig. Genau deshalb landen sie massenhaft im Müll. Sie werden meist aus Erdöl hergestellt, oft nur kurz genutzt und sind kaum biologisch abbaubar.
In unserer Werkstatt machen wir aus alten Kunststoffen neue Werkstoffe und zeigen dabei auch, wo die Grenzen des Recyclings liegen.
Begleitend ist das Lernposter „Kunststoffe – verstehen und verwenden“ bzw. „Kunststoffe – verwenden und verändern“ entstanden. Es liegt in zwei Sprachniveaus vor (Fachsprache und einfache Sprache) und enthält Videos per QR-Code, ein Wimmelbild, ein Suchsel und ein Quiz.
Welcher Kunststoff eignet sich für die Werkstatt?
| Code | Kunststoff | Eignung | Hinweis |
| 2 – HDPE | Polyethylen hoher Dichte | gut geeignet | Leicht zu zerkleinern, schmilzt bei niedriger Temperatur, fließt gut, kaum Rauch. |
| 4 – LDPE | Polyethylen niedriger Dichte | gut geeignet | Sehr geringe Geruchs- und Rauchentwicklung, angenehm und sicher zu verarbeiten. |
| 5 – PP | Polypropylen | gut geeignet | Hoher Schmelzindex, leicht formbar, schrumpft beim Abkühlen kaum. |
| 6 – PS | Polystyrol | nur mit Schutz | Starker Geruch beim Schmelzen: nur mit guter Belüftung und Schutzausrüstung (PSA). |
| 1 – PET | Polyethylenterephthalat | schwierig | Sehr enger Schmelzbereich; bei Überhitzung entstehen gesundheitsschädliche Dämpfe. |
| 7 – Andere | z. B. PLA | genau prüfen | Meist ungeeignet. PLA hat eine niedrige Schmelztemperatur und gibt wenig Dämpfe ab. |
| 3 – PVC | Polyvinylchlorid | nicht verwenden | Enthält Chlor und setzt beim Erhitzen gefährliche Gase frei. Gehört in die Hände von Fachleuten. |
Recycling ist gut. Weniger verbrauchen ist besser.
Aus altem Kunststoff etwas Neues zu machen, ist ein wichtiger Schritt. Noch besser ist es aber, gar nicht erst so viel Kunststoff zu verbrauchen. Unsere Projekte zeigen deshalb beides: was sich aus Altkunststoff machen lässt, und warum Vermeidung an erster Stelle steht.
„Je weniger Kunststoff wir brauchen, desto besser schützen wir unsere Umwelt!“
Was Studierende mitnehmen
Unsere Projekte sind so angelegt, dass sie sich in die Schule übertragen lassen, vom Werkstattbetrieb bis zum Unterrichtsmaterial.
- Fachlich: Werkstoffkunde zu Holz und Kunststoffen, sichere Verfahren, Kriterien für Materialwahl und Wiederverwertbarkeit.
- Didaktisch: BNE-Themen handlungsorientiert planen, vom Alltagsgegenstand über den Materialkreislauf bis zur Bewertung.
- Inklusiv: Materialien in unterschiedlichen Sprachniveaus, mit Bildern, Videos und spielerischen Zugängen für heterogene Lerngruppen.







